Bericht von Erick
Die invasiven Neophyten. Ein Dauerthema für die Winti Ranger, verbringen wir doch ca. 70% unserer Zeit damit, die Ausbreitung der Neophyten einzudämmen und dadurch unseren heimischen Pflanzen Raum zu schaffen.
Aber was sind eigentlich invasive Neophyten? Nina ist die Fachfrau in der Abteilung Ökologie von Stadtgrün Winterthur. Der Forstwart Timon absolviert ein Studium in Biodiversität an der Uni Zürich. Beide werden unser Wissen mit viel Begeisterung und sehr anschaulich vertiefen.

Neophyten kann man auch als gebietsfremde Arten bezeichnen. Es sind also Arten, die ursprünglich nicht in unsere Umwelt gehören. Wobei der Ursprung auch definiert werden müsste, waren ja Dinosaurier auch mal heimisch. Die Verschiebung ganzer Pflanzenarten über Kontinente hinweg durch den Menschen begann 1492, als ein gewisser Columbus nichts ahnend statt in Indien auf einem bis dahin kaum bekannten Kontinenten anlandete. Dort ernährten sich die Einheimischen von Tomaten, Kartoffeln, Kürbis, Mais, usw. Alles Pflanzen, die später in unsere Gefilde eingeführt wurden, um den Speiseplan der europäischen Bauern und Rittern zu revolutionieren. Was die Indigenen im Tausch erhielten, ist eine andere Geschichte. Jedenfalls begann damals eine neue Zeitrechnung, sozusagen die Ära der Neophyten. Problematisch sind sie also nicht alle, sondern nur die invasiven. Diese wurden auch vom Menschen verschleppt, entweder um unsere Gärten zu verschönern oder als blinde Passagiere. Invasiv sind sie, wenn sie sich stark vermehren und einheimische Pflanzen verdrängen, weil sie keine natürlichen Fressfeinde in der neuen Umgebung vorfinden oder an den neuen klimatischen Verhältnissen besser angepasst sind.
Breiten sie sich stark aus, können sie Schäden anrichten oder gar gesundheitlich gefährdend sein. Jedenfalls sind sie für die lokale Biodiversität eine Bedrohung. Die Ökosystemfunktionen, also die Interaktionen zwischen Arten und Lebensräumen werden gestört und selbst die genetische Biodiversität nimmt ab, da Anpassungen vererbbar sind.
Es ist nicht alles
Nebst den Neophyten kommen noch Neozoen (gebietsfremde Tierarten) vor. Sie haben dieselbe Geschichte, wurden also vom Menschen aus verschiedenen, meist kommerziellen Gründen eingeführt oder sind einfach aus Neugier und Entdeckungslust mitgereist. So gelang die asiatische Hornisse nach Europa und breitet sich nun vom Westen her durch die Schweiz aus. Erste Sichtungen in unserem Land wurden 2017 gemacht und nicht mal 10 Jahre später wurde diese Art auch in unseren Wäldern nachgewiesen. Sie bildet grosse Kolonien und baut hoch in den Bäumen tropfenförmige Nester. Da sie sehr gefrässig ist, stellt sie für die einheimischen Bienen eine ernste Bedrohung dar. Deshalb ist sie melde- und bekämpfungspflichtig. Einen Vergleich mit der europäischen Hornisse sowie weitere Infos findet man hier: https://asiatischehornisse.ch/

Rechtliche Grundlagen
Dies bringt uns zu den rechtlichen Grundlagen. Für uns relevant sind:
- Seit 1.09.2024 die Freisetzungsverordnung des Bundesamts für Umwelt (BAFU), welche das Inverkehrbringen gewisser invasiver gebietsfremder Pflanzen verbietet
- Der Kanton Zürich seinerseits hat Richtlinien zur Bekämpfung von Neophyten erlassen und listet darunter drei melde- und bekämpfungspflichtige Pflanzenarten: Ambrosia, der Riesenbärenklau und das schmalblättrige Greiskraut.
Die Stadt Winterthur hat ein eigenes Neobiota Konzept aufgestellt mit folgenden Zielen:
- Aufklärung der Bevölkerung
- Koordination mit Bund und Kanton bzgl. Neozoen
- Eindämmung der Ausbreitung von Neophyten, vor allem im Wald und in Naturschutzgebieten
In diesem Zusammenhang noch zu erwähnen ist die Bildung eines neuen Freiwilligenteams bei Stadtgrün mit denselben Aufgaben wie die Winti Ranger, aber im städtischen Raum mit dem Namen: Stadtnatur Winterthur. Wer darüber mehr wissen möchte, kann sich gerne bei Geri erkundigen. Er ist sowohl bei den Schlamm-und-Gestrüpp-Rangern wie auch beim urbanen Pendant aktiv.
Posterlauf
Nach den Aufführungen (und der Kaffeepause) folgten ein Posterlauf und eine Fragerunde. Die häufigsten anzutreffenden Neophyten werden in einem Büchlein – das wir nun für alle interessierten bestellt haben – sehr übersichtlich vorgestellt. Aus diesem Büchlein sind die aufgestellten Poster entstanden. In unseren Augen ein echtes Gruselkabinett, obwohl die fiesen Gesellen ganz hübsch sein können. Femme fatale, mal anders.

Mit Hilfe dieser Aufstellung haben sicher alle Beteiligten ihr Wissen vertiefen können. Zum Beispiel, dass die Blüte des Sommerflieders zwar hübsch aussieht und unzählige Schmetterlinge anzieht, für diese jedoch eine Falle stellt. Die Raupen können sich nicht daran ernähren und verhungern schliesslich.
Trotzdem sei daran erinnert, dass diese Pflanzen mitnichten böse sind, sondern wurden vom Menschen an die falschen Orte eingeführt. Wir wollen ihre Ausbreitung eindämmen, begegnen ihnen aber mit dem Respekt, der der Natur gebührt.

Schreibe einen Kommentar