Vom 12. Bis 13. März 2026 fand die diesjährige Bundesweite Naturwachttagung in Schönau am Königssee bei Berchtesgaden statt, mit dem Motto „Ranger und Tourismus: Natur erleben ohne sie zu gefährden“.
Wie fast alle Jahre, nahmen auch diesmal wieder einige Wintiranger an der Tagung teil. Judith, Erwin und ich reisten bereits am Dienstag an, die anderen vier (Salome, Giovanni, Max und Walo) kamen dann erst am Mittwoch dazu. Das gab uns die Gelegenheit, am Mittwochmorgen an der Vorexkursion teilzunehmen. Sie führte uns bei schönem aber kühlen Frühlingswetter zum Malerwinkel, einem Aussichtspunkt über dem Königssee, der schön gelegen inmitten der hohen Bergen (leider ohne Sicht auf den Watzmann) liegt. Unterwegs blühten hunderte von Leberblümchen, vereinzelte Schlüsselblumen und das Quirl-Schaumkraut. Klaus Melde von den Rangern des Nationalparks Berchtesgaden, zeigte uns auf seinem mitgebrachten Stoffbanner die wichtigsten Fakten über den Nationalpark und freute sich, dass gegen 70 Ranger an dieser Exkursion teilnahmen (gerechnet hatte er mit etwa 30!).


Am Nachmittag war das Check-in im Gasthof Unterstein in Schönau, einem alten prächtigen Gasthaus mit einem Wirt wie man ihn sich vorstellt in Bayern! Milena Kreiling und Robby Meissner Co-Vorsitzende des Naturwachtverbandes, konnten etwa 160 Ranger begrüssen.
Während der Mitgliederversammlung des Bundesverbandes, wo ein neues Präsidium und weitere Vorstandsmitglieder gewählt wurden, hatten wir Wintiranger Zeit um Berchtesgaden zu besichtigen.

Ein schönes aber sehr touristisches Städtchen, man möchte sich nicht vorstellen, wie es hier aussieht an einem Wochenende im Sommer! Für das Nachtessen und den anschliessenden Vortrag von Klaus Melde über den Nationalpark Berchtesgaden traf man sich wieder im Gasthof Unterstein.

Der Nationalpark Berchtesgaden ist der einzige Alpen-Nationalpark Deutschlands und hat eine Fläche von rund 210 km2 und war der 2. Nationalpark in Deutschland als er im Jahre 1978 gegründet wurde. Der größte Teil des Nationalparks – nämlich Dreiviertel, also 75% – nimmt die Kernzone ein. Sie ist der Herzstück des Nationalparks. Hier hat der Schutz der Natur in ihren natürlichen Abläufen Vorrang, ganz nach dem Motto: »Natur Natur sein lassen«. Die einzige „Nutzung“ ist das Natur-Erleben und die Erhaltung der dazu nötigen Infrastruktur.
25% der Fläche ist Pflegezone, wo Fischerei, Schifffahrt und Borkenkäfermanagement betrieben wird. Im Nationalpark sind auch mehrere bewirtschaftete Almen. Bewirtschaftet werden die Flächen, auf Basis spätmittelalterlicher Berechtigungen von Landwirten aus dem Talkessel.
Etwa 1.6 Mio. Besucher kommen pro Jahr hierher, die meisten zum Königsee und dem Watzmann, dem höchsten Berg auf deutschem Boden(2713m). Zur Halbinsel St. Bartholomä werden täglich bis zu 6000 Personen per Schiff befördert! Also Massentourismus pur! Aber da es fast ausschliesslich Tagestouristen sind, haben die Tiere nachts wieder ihre Ruhe.
Am Donnerstag waren den ganzen Tag über mehrere Fachvorträge. Zum Glück war das Wetter draussen eher regnerisch. Einer davon war über den Steinadler und den Bartgeier.
Im Nationalpark gibt es ein Steinadlerprojekt, mit Monitoring von Bruterfolg, Sterblichkeit, Partnerwechsel, Reviergrenzen, Horstinhalte etc.. Eine Daueraufgabe des Nationalparks.
Beim Bartgeier wird eine Wiederansiedlung angestrebt, indem 90 Tage alte Jungvögel ausgewildert werden. Im Westen (z.B. der Schweiz) müssen keine Auswilderungen mehr gemacht werden, da hier der Bestand wieder stabil ist. Auch im Balkan ist er gut. Daher ist das vorrangige Zeil ein „genetischer Brückenschlag“ zwischen Westalpen und Balkan. Bis jetzt haben noch keine Bartgeier im Nationalpark gebrütet, aber man ist zuversichtlich dass das in nächster Zeit geschehen wird, da die Bedingungen ideal sein sollten.
Der Bartgeier hat eine Flügelspannweite von 250-290 cm! Die Nahrung besteht zu 70-90% aus Knochen, und er benötigt etwa 300g pro Tag. Die Magensäure des Bartgeiers hat einen pH-Wert von 0.7 und morphologische Besonderheiten.
Ein weiterer interessanter Vortrag war von einer IT-Rangerin des Nationalparks. Diese sorgt dafür, dass falsche Wander- und Bike-Routen von Online-Plattformen wie komoot, outdooractive oder bikemap und weiteren verschwinden. Die Zusammenarbeit mit Outdooractive ist meist gut, aber mit Komoot sehr schwierig. Daher ist es wichtig, dass der Nationalpark selber naturschutzkonforme Touren und Wege ins Netzt stellt, und dafür sorgt, dass die Touren bei Google-Suchen weit oben gelistet werden, aber auch aktiv ist in den sozialen Netzwerken (ohne TikTok).
Ein anderer Vortrag zeigte wieviel investiert wird in das Bildungsangebot der Nationalparkverwaltung. Es finden jährlich etwa 1800 Veranstaltungen statt. Für Schulen, Privatpersonen, Familien etc.. Der Nationalpark hat seit 2003 auch Kindergruppen (ähnlich Junior-Ranger) mit ca. 70 Kindern, die meist wöchentlich für einen Nachmittag im Nationalpark sind. Die Nationalparkverwaltung hat auch ein grosses „Haus der Berge“, ein modernes Gebäude mit einer Fläche von 3000m2, zu den 4 Themen Wald, Wasser, Fels und Wiese. Leider hatten wir keine Zeit mehr dieses zu besuchen.
Nach den Vorträgen fand dann die Tombola statt, mit deren Erlös Ranger weltweit unterstützt werden. Die Nummern wurden gezogen und gleich viermal konnte Alain von den Swiss Rangers die Preise in die Tasche füllen!
Am Abend fand dann wieder der traditionelle kulinarische Abend statt, wo die Teilnehmer ihre Spezialitäten aufgetischt haben. Silvio von den Swiss Rangers hat erstmals ein Raclette mit warmen Kartoffeln gemacht. Da wurde die Schlange davor seeehr lang.


Am Freitag fanden dann bei anfänglich noch nebligem dann immer sonnigerem Wetter die Exkursionen statt. Dazu wurden alle Ranger in zwei Schiffen auf die Halbinsel St. Bartholomä gebracht. Mit einem Unterbruch durch Trompetenklänge die von den Wänden als Echo zurückkamen.


Gruppenbild mit Watzmann

Schneerosen und Seidelbast
Es gab 5 verschiedene Exkursionen zu den Themen: Königsee damals und heute, Rotwildfütterung und Wildtiermanagement, Besucherlenkung, Steinadler und Bartgeier, Praktische Beispiele Umweltbildung.

Silhouetten der verschiedenen Greifvögel, Bartgeier, Watzmann, St. Bartholomä
Auf der Halbinsel St. Bartholomä wachsen viele wilde Christrosen, hier Schneerosen genannt. Das habe ich so noch nie gesehen, einfach wunderschön!
In unserer Gruppe haben wir Steinadler und Bartgeier gesehen, bei anderen Gruppen zusätzlich noch Gämsen, Steinböcke und einen Gänsegeier. Letzterer war vermutlich von der halbwilden Kolonie des Salzburger Zoos.
Zum Mittagessen ging es dann in das riesengrosse Restaurant. Die Rückfahrt nach Schönau konnte individuell gemacht werden, es musste einfach das letzte Schiff erreicht werden, das um 16:20 Uhr ablegt. Die Wintiranger splitteten sich wieder auf und traten den Heimweg an. Für Judith ging es weiter nach Salzburg, Erwin und ich fuhren dann erst am Samstag nach Hause.
Es war einmal mehr eine tolle Tagung mit vielen Gesprächen und Eindrücken, die wir noch lange in Erinnerung behalten werden.

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